Ohne Druck und Schema F

Gut besucht war der Vortrag "Bildungsanforderungen der heutigen Zeit" mit dem Montessori-Experten Claus-Dieter Kaul in der Alten Schranne in Nördlingen. Rainer Hertle, 1. Vorsitzender der Montessori Fördergemeinschaft Nördlingen e.V., nannte in seiner Begrüßung den Referenten einen "Montessori-Kenner von A-Z", der jahrzehntelang selbst an Montessori-Schulen unterrichtet hat. Er ist heute im ifgl-Institut am Tegernsee als Ausbilder in dieser Pädagogik tätig und ein im In- und Ausland gefragter Referent.

"Was Frau Montessori vor 100 Jahren gedacht und entwickelt hat, ist heute aktueller denn je und hat Einzug gehalten in die neuen Bildungspläne" stellte Claus-Dieter Kaul eingangs fest. Er zitierte einige Punkte aus der Präambel des Bayerischen Grundschullehrplans. Dieser betont die identitäts- und persönlichkeitsbildende Funktion der Schule. Die Schule hat laut Lehrplan die Aufgabe, den Kindern die Welt, die natürlichen, kulturellen und sozialen Gegebenheiten zu erschließen. Dabei sei auf die "Vernetzung zwischen den Inhaltsbereichen" und auf die "Erziehung zur Selbstständigkeit und forschend-entdeckendes Lernen" zu achten.
An Montessori-Schulen könne man sich die Praxis zu dieser wunderbaren Theorie anschauen, erklärte der Referent selbstbewusst. Doch nicht nur dort, sondern auch in Regelschulen lassen sich diese Grundsätze des Lehrplans umsetzen. Daher plädiert Kaul dafür, dass Regelschulen und Montessori-Schulen miteinander in Austausch treten, um voneinander zu lernen.

Kinder sind Entdecker und Baumeister ihrer Welt. Sie haben großes Interesse daran, diese mit allen Sinnen zu erforschen. Daher solle der Unterricht, so der Referent, den Kindern reichhaltige Möglichkeiten bieten, die Dinge selbst zu entdecken und zu erforschen. Dabei geschieht Lernen mit Vorfreude auf das Neue und Unbekannte und nicht mit Druck, der das Lernen mit der Zeit zur Last macht und zu dem man negative Gefühle entwickelt.Es sei falsch, die Kinder nach "Schema F" zu unterrichten. "Was letztlich dabei herauskommt, ist Langeweile und Desinteresse den Lerninhalten gegenüber." Individuelles Lernen, wie dies in der täglichen "Freiarbeit" an den Montessori-Schulen möglich ist, macht ernst mit der Erziehung zur Selbständigkeit und einem Lernen entsprechend der Entwicklung und den Interessen des Kindes.

Claus-Dieter Kaul erzählte dazu Einzelheiten, die er bei seiner Hospitation am Vormittag an der Montessori-Schule Deiningen beobachtet hatte. "Wenn Kinder sich selbständig etwas erarbeitet haben, das sie interessiert, sind sie sehr leistungsfähig. Sie sind von innen her motiviert und aus Freude gestalten sie ihre Arbeit kompetent und mit großem Einsatz." In Summe stellte Claus-Dieter Kaul der pädagogischen Arbeit der Montessori-Schule Deiningen ein sehr gutes Zeugnis aus und nahm sie für seine Ausbildungskurse in die Liste von Einrichtungen zur Hospitation auf.

Nächste Gelegenheit für einen Einblick in die Montessori-Pädagogik ist am 20. März 2011 von 13.00 bis 16.00 Uhr beim "Tag der offenen Tür" im Montessori-Kinderhaus Nördlingen, Gerhard-Hauptmann-Str. 1. Außerdem erhalten an der Montessori-Schule Deiningen die am Aufnahmeverfahren interessierten Eltern die Möglichkeit, im Unterricht zu hospitieren.